Tagungsband zu den Glarner Tuch Gesprächen vom 2./3. Juni 2016
mit 22 Beiträgen


     



Afrikanischer Besuch vor dem Hänggiturm auf dem Gelände
der ehemaligen Frima Freuler in Ennenda um 1960,
copyright Monika Lüthi, Zürich.

Tagungsband zu den Glarner Tuch Gesprächen vom 2./3. Juni 2016

Kunst und Geschichte des Glarner und Europäischen Zeugdrucks
19 Beiträge in deutscher, 2 in französischer, 1 in englischer Sprache,
mit vielen Bildern auch zur Tagung selber,
Edition Comptoir-Blätter 10/11 2017
208 Seiten, Format A4, broschiert
ISBN 978–3–033–0596–6


Erhältlich zu Fr. 40.- (+ Porto und Verpackung)
bei
wanner@datacomm.ch


sowie im Fabrikladen „Baumwollblüte“ in Ennenda,
im Glarner Wirtschaftsarchiv GWA in Schwanden,
im Fabrikladen Mitloedi Textildruck AG in Mitlödi,
im Museums-Shop des Museums des Landes Glarus im Freulerpalast Näfels
und in den Glarner Buchhandlungen.


Tagung Glarner Tuch Gespräche im Hänggiturm
Blumer & Cie, in Schwanden.
Foto P.C. Jenny.

 
  Der anlässlich der Glarner Tuch Gespräche vom 2./3. Juni 2016 im Hänggiturm Blumer & Cie. in Schwanden angekündigte Tagungsband zu „Kunst und Geschichte des Glarner und europäischen Zeugdrucks“ ist erschienen. Mit 22 wissenschaftlich fundierten, verständlich geschriebenen Fachbeiträgen umfasst die Publikation alle Vorträge sowie weitere ergänzende Themen, die sich über die Veranstaltung hinaus an eine erweiterte interessierte Leserschaft richtet.

Herausgeberin des Tagungsbandes ist die Edition Comptoir-Blätter, Ennenda im Auftrag des Arbeitskreises „Glarner Tuch Gespräche“ (mit Daniel Aebli, Anne Wanner, Werner Kälin, Ruth Kobelt, Reto Jenny), die auch für die Organisation und Durchführung der internationalen Fachtagung im Frühsommer verantwortlich war. Ermöglicht wurde die Veranstaltung und die Veröffentlichung dieser Publikation Dank der Zusammenarbeit des Glarner Wirtschaftsarchivs, Schwanden, des Museums des Landes Glarus, Näfels, des Comptoirs Daniel Jenny & Cie., Ennenda, der Mitloedi Textildruck AG, Mitlödi, der panta rhei pr gmbh, Ennenda sowie der ideellen und finanziellen Unterstützung seitens der Hauptabteilung Kultur und des Kulturfonds des Kantons Glarus.

Zweck der Tagung im Rahmen der Glarner Tuch Gespräche bestand darin, den Sachstand und die Bedeutung des historischen Textildrucks fächer- und länderübergreifend zu erörtern und den wissenschaftlichen und persönlichen Austausch im Interessens- und Fachkreis zu fördern. Die Vorträge und Ergebnisse der Tagung sind nun im vorliegenden Tagungsband aufbereitet, ergänzt und dokumentiert und erscheinen als Ausgabe in der Publikationsreihe Comptoir-Blätter des Museums und Archivs Daniel Jenny & Cie., Ennenda.
 
       
 
Mühlareal mit ehemal. Textildruckerei F.Blumer & Cie in Schwanden, um 1980. - Glarner Wirtschaftsarchiv (GWA).



Druckfabrik von Bartholome Jenny & Cie in Ennenda. Kleines Ölgemälde aus der Zeit um 1852 - Comptoir Museum.

Ehemaliges Druckstubengebäude, "Baumwollblüte,
Ansicht von Osten im Jahr 2016. - Comptoir Museum
.
  Zum Inhalt
In seinem Grußwort würdigt Fritz Rigendinger, Leiter der Hauptabteilung Kultur des Kantons Glarus den herausragenden Stellenwert des Glarner Zeugdrucks als Erzeugnis „lebendiger Tradition“ und Erbe der Glarner Industrie-Kultur. Konkretisiert wird diese Einschätzung auch in der Vorstellung des umfangreichen Archivbestandes und der Tätigkeit des Glarner Wirtschaftsarchivs in Schwanden durch dessen wissenschaftliche Leiterin Sibyll Kindlimann, in der Darstellung des Zeugdrucks im Glarnerland von der Historikerin Andréa Kaufmann sowie in den Beiträgen zu den Besichtigungen in der Textildruckerei in Mitlödi von Simone Blesi, im Museum des Landes Glarus im Freulerpalast in Näfels von Christine Peege und Susanne Grieder, im Areal „Trümpyger“ und im Comptoir Daniel Jenny in Ennenda von Reto Jenny, Daniel Aebli und Anne Wanner.

 
 
Imitation Javanischen Batiks, vermutlich Britisch, gekauft von Carlo Forel Koechlin, 1829. Coll. Musée de l'Impression sur Etoffes, Mulhouse, no.1875.1.1. (1098).


Muster in zentral -javanischem Stil, Blumer & Jenny, 1861 - Smlg GWA.

Ikatstreifen in Schultertuch, hergestellt in Wupperttal/Barmen 1850/60, in Appenzell getragen. - (Musterband 21, Koll.C 11)
- Privatbesitz.

  Sowohl schweizweit wie auch im internationalen Vergleich hält der Glarner Zeugdruck seine beachtliche Stellung mit der Öffnung einer globalen Sichtweise zu Inspiration, Design und weltweiten Handelsbeziehungen ab dem Ende des 18. Jahrhunderts.
Mit Themen solcher Bezüge zum „kolonialen Erbe“ der Schweiz befassen sich die Genfer Wirtschaftshistorikerin Béatrice Veyrassat, die australische Anthropologin Maria Wronska Friend und die beiden Basler Ethnologinnen Marie-Louise Nabholz-Kartaschoff und Brigitta Hauser-Schäublin in gesonderten Beiträgen. Von besonderem Interesse sind die Einflüsse der Batik Kunst und der fernöstlichen Kultur als Quelle zu Inspiration und Nachahmung für den Glarner Zeugdruck im 19. Jahrhundert sowie, bezogen auf die heutige Zeit, die Frage nach dem veränderten Umgang mit geistigem und kulturellem Eigentum indigener Kulturen.
Stark beeinflusst wurde der Glarner Zeugdruck auch von der schon im 18. Jahrhundert weit entwickelten Tuchdruckindustrie im Elsass, von dessen Stoffdruckmuseum in Mulhouse die ehemalige Konservatorin Jacqueline Jacqué über die „magie des mouchoris d‘Alsace“ berichtet.


 
 
Taschentuch mit Friedrich II. , 1755, Holzplattendruck.
- Musée de l'Impression sur Etoffes: inv. 858.358.1.


Detail aus Wandtapete mit Semira und Melida, Entwurf Jean-François Cornelis, Walzendruck 1830, Sammlung Xavier Petitcol.


Ansteckbänder "zur Jahrhundertfeier der Erhebung Preussens 1813-1913", Berlin, Breslau, Königsberg, 1913. - MEK 33 X 17.
  Es folgen im Tagungsband zwei Beiträge mit literarischem Zugang, zum einen durch die Poesie „Le premier navigateur“ (Der erste Schiffer) des 18. Jahrhunderts von Salomon Gessner, dargestellt anhand von Bildmotiven von Helen Bieri Thomson, Direktorin des Schweizerischen Nationalmuseums in Prangins, zum anderen durch den teils autobiografischen Roman „Der Grüne Heinrich“ des 19. Jahrhunderts von Gottfried Keller und einer ökonomischen Analyse der Zeugdruckindustrie von Werner Sombart, behandelt von Daniel Aebli.
Eine Besonderheit des Museums Europäischer Kulturen in Berlin sind die Vivatbänder, die hier im Zusammenhang mit der Geschichte gedruckter Textilbänder von Konrad Vanja, dem ehemaligen Museumsdirektor, besprochen werden.
Zur Sprache gelangen auch Aspekte der Kinderarbeit mit einer kritischen Reflektion des deutschen Philosophen Betrand Stern.

 
 
Bildertuch: Weihnachten hurrah", Kaiserzeitliche
Familienidylle. - Siegwerk Archiv: Dep. StA, K 39.


Josua und Kaleb Motiv aus Einbeck, Anfang 18. Jh.
- Privatbesitz.

Deutsches Tuch zum Gewehr Modell M.71 (1871).
- Privatbesitz.

  Bildertücher bilden einen weiteren Schwerpunkt Schwerpunkt in dieser Publikation. Die Ausgangslage schildert der Pressearchivar Franz Josef Wiegelmann, wonach zunächst illustrierte Zeitungen und Bilderbogen als Vorlagen für bedruckte Tücher dienten. Bereits erwähnt sind die Bildmotive zur Poesie von Salomon Gessner Ende des 18. und im frühen 19. Jahrhundert. Die Pastorin Angelika Überrück beschreibt in ihrem Beitrag den späteren Blaudruck und seine Geschichte anhand von biblischen Motiven.
Vergleichen lassen sich die von Daniel Aebli untersuchten Glarner Bildertücher aus dem Archiv Barth. Jenny in Ennenda, sehr gut mit den von der Volkskundlerin Claudia Liebers und der Wirtschaftsarchivarin Angela Joseph dargestellten Motiven und Verfahren der damaligen Firma Rolffs & Cie. in Siegburg bei Köln. Zum Teil von dieser Firma stammen auch die vom Bochumer Sachverständigen Dirk Ziesing vorgestellten Militärinstruktionstücher und deren Verwendung für diverse Waffengattungen verschiedener Länder.



 
 
Druckmustersammlung von Adolf Jenny-Trümpy,
Serie J/C in 22 Bänden. - Privatbesitz.




Einzelne Karte aus der Sammlung, Doppelblau mit Weiss, 1830-1880, Band 1 Indigo, oben links: verwendetes Farb- und Druckrezept, oben rechts: Verweise auf das gedruckte Werk "Handel- und Industrie des Kantons Glarus", unten Mitte: Firmenstempel.
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Comptoir Archiv, Ennenda









Ausschnitt aus Andruck oder Papierentwurf für Krappware, um 1800, für Firma Jenny & Schiesser, Band 3, Geschenk B.H. Tschudi-Streiff. - Comptoir Archiv, Ennenda.
 

Im abschliessenden Teil des Tagungsbandes präsentiert Anne Wanner, Textilwissenschaftlerin und ehemalige Kuratorin des Textilmuseums St.Gallen, die für die Wissenschaft und Forschung bedeutende Stoffmustersammlung von Adolf Jenny-Trümpy, welche auch mit seinem Sachbuch „Handel und Industrie des Kantons Glarus“ in Zusammenhang steht. Und schliesslich informieren Kim Siebenhüner, John Jordan und Gabi Schopf über den aktuellen Zwischenstand eines in sich in Arbeit befindenden Forschungsprojektes des Schweizerischen Nationalfonds am Historischen Institut der Universität Bern zum Thema „Textilien und materielle Kultur im Wandel“.

Im Schlusswort unterbreitet der Arbeitskreis Glarner Tuch Gespräche im Ausblick sechs Vorschläge als Anregung für weitere Schritte zur Erhaltung des Zeugdrucks als kulturelles Erbe.

(obiger Text zusammengestellt von Reto Jenny, Bilder aus der Publikation)

 
       
 
 
     

Inhalt


Last revised Dezember, 2016